Endrunde BL / Playoff-Halbfinale: Saisonende mit erhobenem Haupt

Ein sichtlich bewegter Frank Stäbler bedankte sich nach dem Kampf bei den Fans für die Unterstützung. © Leo Pfister

Ende zweier großer Karrieren /

Das Beste kommt zum Schluss. Diese alte Weisheit traf auch bei der Saison 2021/22 der RED DEVILS Heilbronn ins Schwarze. Mit einem großartigen Abend, einem spannenden 14:14-Untenschieden gegen den SV Wacker Burghausen und einer gigantischen Stimmung in der ausverkauften Römerhalle ging am Samstagabend nicht nur die Saison für die RED DEVILS zu Ende. Mit Frank Stäbler und Adam Juretzko absolvierten auch zwei Ringer-Legenden jeweils den letzten Kampf ihrer Karriere, und auch Headcoach Patric Nuding stand zum letzten Mal in der Ecke der RED DEVILS. Er gab den Staffelstab für den Trainerposten an seinen designierten Nachfolger Adam Juretzko weiter.

Die Voraussetzungen für den Halbfinal-Rückkampf gegen Burghausen waren klar: Die Gastgeber hätten gegen den Serienmeister der vergangenen Jahre mit mindestens acht Punkten Vorsprung gewinnen müssen, um in das Finale um die Deutsche Meisterschaft einziehen zu können. Patric Nuding zog bei der Aufstellung sämtliche Register und überraschte unter anderem damit, dass Frank Stäbler statt in seiner gewohnten Gewichtsklasse bis 75 kg in der 80-Kilogramm-Klasse antrat.

Der Abend begann mit einer Schulter-Niederlage von Youngster Lucas Wolf, der sich gegen Fabian Schmitt jedoch mehr als achtbar aus der Affäre zog. Auch Eduard Popp war anzumerken, dass er stilartfremd im Freistil gegen Erik Thiele unbedingt etwas reißen wollte. 1:0 in Führung liegend, setzte „Eddi“ zum Angriff an, wurde aber gekonnt ausgekontert und musste am Ende eine 1:4-Niederlage zum 0:6 hinnehmen. Recep Topal (5:1 gegen Vladimir Egorov), Alexander Golovin (Überlegenheitssieg gegen Eduard Tatarinov) und Abdolmohammad Papi (Überlegenheitssieg gegen Andreas Maier) sorgten zur Halbzeitpause für den Zwischenstand von 10:6.

Zwei absolute Weltklassekämpfe bekamen die Fans nach der Pause zu sehen. Taimuraz Friev spielte im Duell mit dem WM-Neunten Akhmed Magamaev seine ganze Routine aus und holte bei seinem 6:2-Punktsieg zwei wichtige Zähler für sein Team. Einen offenen Schlagabtausch gab es auch zwischen Ramazan Ramazanov, der gegen Iszmail Muszukajew knapp mit 5:7 unterlag.

Als nächstes folgte der Kampf, auf den alle gewartet hatten. Frank Stäbler trat eine Gewichtsklasse höher als gewohnt gegen den Weltmeisterschafts-Dritten Roland Schwarz an. Zur Halbzeit lag der Olympia-Dritte gegen den Burghausener bereits mit 0:4 zurück, ehe er noch einmal seinen unglaublichen Kampfeswillen und seine mentale Stärke ausspielte. Frenetisch bejubelt von einem nahezu durchdrehenden Publikum holte „Franky“ Punkt um Punkt, drehte den Kampf und sorgte mit einem 7:4-Sieg dafür, dass er auch im letzten Kampf seiner Karriere im Trikot der RED DEVILS ungeschlagen blieb.

Direkt nach ihm bestritt mit Adam Juretzko auch eine weitere absolute Bundesliga-Legende seinen letzten Kampf. Der 50-Jährige unterlag gegen U23-Weltmeister Idris Ibaev mit 0:12 und erzählte danach: „Dieses direkte Aufeinandertreffen wollten wir eigentlich beide vermeiden. Idris ist so etwas wie mein Ziehsohn. Er hat bei uns in Witten seine ersten Schritte gemacht und es war mein erklärtes Ziel, dass ich ihn so weit coache, dass er eines Tages mich schlagen kann. Also hab ich alles richtig gemacht, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass ich so hoch verliere.“

Den Schlusspunkt setzte Youngster Luke Reinhard, der gegen den bulgarischen Meister nach 1:32 Minuten vorzeitig unterlag.

„Wir haben den Fans heute nochmal gezeigt, wozu wir in der Lage sind. Wir haben bis zum Schluss alles gegeben und hatten Burghausen am Rand einer Niederlage. Der SV Wacker hat in beiden Kämpfen absolute Topmannschaften auf die Matte gebracht und hat gekämpft wie ein Champion, insofern stehen sie auch verdient im Finale“, sagte der scheidende RED DEVILS Headcoach Patric Nuding. „Wir haben das Halbfinale letztendlich vor einer Woche in Burghausen verloren, wo wir einige Rückschläge einstecken mussten, die ein Weiterkommen heute eigentlich unmöglich gemacht haben. Heute hatten wir bei der Aufstellung dann leider auch nicht die erhoffte Flexibilität, da der türkische Verband seine Topathleten nicht aus dem Land gelassen hat.“

Trotz des Abschieds von Patric Nuding und dem Karriereende seines Nachfolger Adam Juretzko gehörte der Abend ein letztes Mal dem dreifachen Weltmeister Frank Stäbler, der von den RED DEVILS mit einem großen Banner gewürdigt und von den Fans mit Standing Ovations verabschiedet wurde. „Ich bin emotional überwältigt“, sagte er mit leicht bebender Stimme auf der Matte ins Mikrofon. „Diesen Moment habe ich seit eineinhalb Jahren herbeigesehnt, mein Körper hat mich täglich darum gebeten. Dass ich heute gegen meinen guten Freund Roland Schwarz nochmal so einen großartigen Kampf machen konnte und jetzt in fünf Jahren in Heilbronn immer noch ungeschlagen bin, ist schon etwas ganz Besonderes. Unfassbar.“

Für die RED DEVILS ist mit dem 14:14 gegen Burghausen eine Saison zu Ende gegangen, die unter dem Zeichen der Corona-Pandemie gestanden hat und viele Höhen und trotz aller äußeren Umstände nur wenig Tiefen geboten hat. Im Hintergrund wird bereits mit Hochtouren am Team für die Saison 2022/23 gefeilt und man darf gespannt sein, mit welcher Mannschaft die RED DEVILS zum voraussichtlichen Saisonstart am 24. September in Nackenheim antreten werden.

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