C-Trainerscheinausbilder – Matthias Krohlas im Interview

Mitte Juli fand der erste Abschnitt der C-Trainerscheinausbildung in der Landessportschule Ruit statt. C-Trainerausbilder Matthias Krohlas stand dem Württembergischen Ringerverband als Ausrichter im Interview Rede und Antwort.

Mehr Teilnehmer hatten sich für die Ausbildung angemeldet, warum konnten nur 20 die Ausbildung beginnen?

Matthias: 20 Teilnehmer haben ihre Ausbildung begonnen, ursprünglich hatten sich mehr Teilnehmer angemeldet. Es ist uns schon schwergefallen, dass wir den Eifer aller nicht belohnen konnten und der WRV einige Interessierte ablehnen musste. Die Corona Einschränkungen begrenzten aber dieses Teilnehmerfeld auf max. 20. Wir waren froh jetzt auch Praxis auf der Ringermatte ausbilden zu können, dies war vor einigen Wochen noch Unmöglich und machten die Lehrgangsvorbereitungen auch sehr schwierig. Alle waren getestet und die Vierergruppen waren eine optimale Größe, um das Gelehrte anwenden und üben zu können. Die Teilnehmerkonnten sich austauschen und ihre Erfahrungen mit einbringen

Was war der Kernbereich der 1. Ausbildungswoche?

Matthias: Wir versuchen immer eine bunte Mischung der Lehrthemen zu finden. Ich wurde unterstützt durch Petra Logisch, sie ist Pädagogische Leiterin an der Sportschule Ruit und betreut uns schon mehrere Jahre in unserer Sportart, bildet aber auch andere Trainer*innen in anderen Sportarten im allgemeinen Teil mit aus. Ihre Erfahrung und sportartübergreifendes Wissen kommen uns beim theoretischen Ausbildungsteil sehr zugute, ist doch dieser Teil erheblich, trotzdem fließen dabei immer wieder ringerische Aspekte mit ein.

Was muss man sich unter einem Phasensystem wärend der Ausbildung vorstellen?

Matthias: Am Ende der C-Trainerlizenzausbildung soll jeder Teilnehmer als Trainer befähigt sein, Kindertrainingsgruppen bis 14 Jahre leiten und trainieren zu können. Bis zu dieser Altersklasse geht es hauptsächlich darum möglichst viele Techniken zu vermitteln. Die Jugendlichen sollen beide Stilarten kennen und beherrschen können, aber auch schon ihre Favoritenstilart herausfinden. Wir vermitteln hierzu Methoden, um die Vielzahl an Techniken in möglichst kurzer Zeit und am effektivsten an die Kinder heranbringen zu können. Das Phasensystem ist eine Methode, schnell und automatisch (ähnlich einem militärischen Drill), Techniken zu erklären, üben und im Kampf (möglichst später ohne nachzudenken) zur Anwendung bringen zu können.

Worin ging es im theoretischen Teil?

Matthias: Es ging dabei um allgemeinsportliche Grundkenntnisse. Wie baue ich ein Training auf, was ist bei Gymnastik zu beachten, wie funktioniert Konditionstraining (was ist Kondition überhaupt, welche Facetten gibt es)? Die Teilnehmer erlernen das Trainieren. Trainer ohne Ausbildung machen sicherlich nicht alles falsch, aber mit dieser Ausbildung und dem „neuen“ Wissen können sie ihr Training weiterentwickeln, besser werden vor allem im Sinne der Sportler, dass diese sich in ihrer Sportart weiterentwickeln können.

Streift die Ausbildung auch betriebswirtschaftliche Aspekte, z.B. Vertragswesen, Verdienst eines Trainers, Steuerfragen?

Matthias: Nein, dies wird hier nicht ausgebildet. Jedoch legt die Ausbildung Wert auf Trainerehrenkodex und versicherungstechnische Aspekte wie z.B. Traineraufsichtspflichten. Ich würde mir wünschen, dass Trainervergütung einen Platz in der Ausbildung finden würde, weil gerade im Ringen die Trainervergütung im krassen Missverhältnis zu anderen Vergütungen z.B. Ringerkampfprämie steht.

Die C-Trainerausbildung ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Kannst du etwas zur Prüfungswoche sagen, die nächstes Jahr im Sommer stattfindet?

Matthias: Aktuell fand gerade der erste Ausbildungsabschnitt statt, im Januar 2022 findet der zweite Ausbildungsabschnitt statt und im Juli 22 ist die Prüfungswoche terminiert. Die Prüfungswoche muss man sich so vorstellen. Am Anfang der Woche werden die Prüfungsthemen gezogen. Diese bestehen aus praktischen, sportartspezifischen Themengebieten, allgemeinem Sportbereich und Trainingslehre. Es muss eine Trainingseinheit (incl. Trainingsplan) durch den Teilnehmer formuliert – also ausgearbeitet und praktisch ausgeführt werden. Die Bewertung besteht dann aus folgenden Punkten: Ist das Training fachlich umgesetzt, wurde das Trainingsziel erreicht und der Traineranwärter wird als Person beurteilt (Wie verhält er sich wärend des Trainings gegenüber der Gruppe?). Jeder Teilnehmer hat ausreichend Zeit sein Konzept zu erarbeiten und kann die Ausbilder zu entsprechenden Themenpunkten befragen, z.B. ob das ausgearbeitete Konzept in die richtige Richtung geht.

Warum machst du diese Ausbildung, was qualifiziert dich als Lehrgangsleiter?

Matthias: Ich bin davon überzeugt, dass wir gute Ringer nur durch ausgebildete Trainer erhalten bzw. dazu hintrainieren können. Mir macht die Ausbildung der Traineranwärter Freude, das Netzwerk was sich hier immer wieder neu bildet ist sehr wichtig für den Ringsport. Aber auch im Kindertraining fühle ich mich wohl und die späteren Erfolge sind auch mein kleiner Beitrag dazu gewesen und dies gibt mir immer wieder Motivation weiterzumachen. Ich habe vor 28 Jahren den C-Trainerschein absolviert, auch hier an der Ruiter Sportschule. Damals war ich Soldat und die Bundeswehr ermöglichte mir tagsüber die Teilnahme an der Trainerausbildung, abends war ich dann wieder in der Kaserne Soldat. Vor 12 Jahren kam der B-Trainerschein und später noch der A-Trainerschein dazu.

Lange Ausbildungsabschnitte, sind mehr Teilnehmer möglich?

Matthias: Alle Teilnehmer opfern ihren privaten Urlaub für die Mitwirkung an dieser Ausbildung einschließlich Prüfung. In Baden-Württemberg gibt es zwar das Bildungsgesetzt, aber wer will diese Freistellung gerade jetzt zu Corona Zeiten beantragen, kämpfen doch viele Firmen aktuell ums wirtschaftliche Überleben bzw. sind noch in der Kurzarbeit. Das diese Teilnehmer trotzdem hier mitmachen und in der Summe 15 Tage Urlaub nehmen, erkenne ich jedem Einzelnen hoch an. Wir überlegen, ob es zukünftig nicht Sinn macht, den ringerischen Ausbildungsanteil auf die Wochenenden zu verlagern, um den Teilnehmern entgegenzukommen und vielleicht auch noch Unentschlossene für die Teilnahme doch noch zu begeistern. Hier stehen wir aber noch ganz am Anfang in den Überlegungen.

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