Norwegischer Nationalkader-Ringer Felix Baldauf im Interview – Training beim ASV Schorndorf

Felix Baldauf (NOR) besuchte Ende Dezember den ASV Schorndorf, um gemeinsam mit Elite-Sportlern des Württembergischen Ringerverbandes eine Woche lang intensiv zu trainieren. Trainer Sedat Sevsay (ASV Schorndorf) übernahm die Koordination und sorgte für entsprechende Übungspartner. Am Rande der Matte gab der sympathische Norweger dem WRV ein Interview.

Felix Baldauf / Norwegischer Nationalringer

Vita – Felix Baldauf
26 Jahre, wohnt in Norwegen
Erlernter Beruf: Studium Sporthochschule
Familie: Freundin
Geschwister: 2
Gewichtsklasse: 97 kg (Norwegische Nationalmannschaft)
Stilart: Greco
Heimatverein: Mehrspartenverein IL BRAATT (Kristiansund)
Trainer: Eren Gjaegtvik
Ringt seit: 2004

Interview
Du hast vorher in Deutschland gelebt, warum seid ihr nach Norwegen umgezogen?
Baldauf: Meine Mutter ist vom damaligen Köthen, wegen dem Job und aus Neugier, nach Norwegen mit uns Geschwistern in jungen Jahren ausgewandert. Sie hatte in Norwegen eine Freundin, die wir häufiger besucht haben und dadurch war der Umzug nicht so gravierend, als wenn man in ein Land ohne Bekannte auswandert. Mittlerweile ist sie aber wieder nach Deutschland zurück, ich aber bin in Norwegen geblieben – bis heute.

Wenn du Norwegen mit drei Worten beschreiben müsstest, was wäre dies?
Baldauf: Die Norweger sind relaxt und sehr offen. Norwegen ist ein wunderschönes Land, die Natur hier ist sehr überwältigend.

Du hast einige Tattoos, z.B. am Oberschenkel einen Totenkopf mit Krone. Für was stehen die Tattoos, warum hast du diese?
Baldauf: Sie beflügeln mich. Es ist wie eine Sucht, einmal unter der Stechnadel und man kann nicht mehr aufhören, trotz der Schmerzen (er lachte dabei A.d.R.). Meine Oma sieht das allerdings etwas anders und sagt dann immer „jetzt ist aber mal Schluss damit“. Für mich ist es eine Art Hobby, man kann es auch als meine Kriegsbemalung ansehen. Die Tattoos sind auch mein Ansporn beim Ringen, es sind hier auch einige Sprüche verewigt, die mich immer wieder an mein Ziele erinnern, sozusagen hautnah.

Wenn du dich selbst beschreiben müsstest, was sind deine Stärken, was deine Schwächen?
Baldauf: Ich habe eine starke Physis und habe mir nach so vielen Ringerjahren ein großes technisches Repertoire im Stand und Boden angeeignet, das ich anwenden kann um auf der Matte zu punkten.
Ausheber und Armdrehschwung wirst du, wenn du mich bei Wettkämpfen beobachtest wiederfinden. Meine Schwäche sind die vielen Verletzungen, gerade die letzten Jahre, die mir kein kontinuierliches Training in der Vergangenheit ermöglicht haben. Auch machen mir die fehlenden Sparringpartner zu schaffen, dies führt immer wieder zu Problemen im Körperbau. Ich arbeite an den Fehlern, Corona bremst dies aber sehr aus.

Ringen die norwegischen Ringer anders als die Deutschen, gibt es da Unterschiede?
Baldauf: Norwegische Ringer sind mehr physisch aktiv in ihren Wettkampfvorbereitungen. Wir Norweger haben nicht so viele technische Genies hier und dies müssen wir kompensieren in besserer körperlicher Agilität. „Aufziehe und ballern“ ist angesagt. Unser Nationalteam besteht aus ca. 12 Ringern, da ist Feintuning wie in anderen Nationen so nicht möglich. Trotzdem oder gerade deswegen erringen wir internationalen Erfolge und liefern ab.

Wie läuft die Unterstützung durch den Norwegischen Verband ab?
Baldauf: Bei dem Norwegischen Ringerverbund zahlt jeder Nationalsportler 2.500,00 € an den Verband als Jahresbetrag (aus meiner privaten Tasche). Dadurch kann ich an allen Ringermaßnahmen, die der Ringerverbund plant, teilnehmen (Lehrgänge, Turniere, Regerationen). Ich bekomme für internationale Erfolge ein Erfolgshonorar, aber kein monatliches Salär. Deswegen bin ich auch immer auf der Suche nach Sponsoren und Unterstützern.

Du ringst die letzten Jahre in der Bundesliga in Deutschland (z.B. beim 1. Luckenwalder SC, SV Germania 04 oder auch RSV Rotation Greiz). Brauchst du im Herbst diese Kämpfe und Motivation?
Baldauf: Auf jeden Fall, ich hatte mal einige Jahre davor ausgesetzt. Mir gefällt aber die Bundesliga und ich nehme dabei auch das Hin- und Rückfliegen dafür gern in Kauf. Ich will den kämpferischen Vergleich, die Kampferfahrung, Bundesliga ist auch das, was mich voranbringt. Auch in der neuen Saison stehe ich wieder bereit, evtl. erneut dem RSV Rotation Greiz. Letzte Saison konnte ich leider mein Können durch Corona dem RSV nicht präsentieren.

Ende Dezember warst du zu Gast beim ASV Schorndorf. Hier hattest du mit Ilja Klasner, Jello Krahmer, Esteban David (CZE) und ASV-Trainer Sedat Sevsay trainiert. Wie kam es dazu?
Baldauf: Ich habe in Oslo keinen Sparringpartner in meiner Gewichtsklasse und habe mich von einer Verletzung die letzten vier Monate erholt. Über Weihnachten war ich bei meiner Familie in Deutschen und konnte durch die Bestimmungen (ohne in Norwegen eine Woche dann in Quarantäne zu müssen) nicht zurückreisen. Ich hatte auf Instagram Jello Krahmers Status gesehen und ihn kontaktiert. Die Jungs dort haben mich mit offenen Armen aufgenommen und wir konnten ein gemeinsames Elite-Training durchführen. Mein Dank geht an alle, aber ohne Sedat Sevsay Unterstützung wäre dies sicherlich nicht möglich gewesen. Ich bin total Happy darüber und wir werden es sicherlich wiederholen.

Felix Baldauf und Ilja Klasner

Wie stark schränkt dich als Profiringer Corona ein?
Baldauf: Es hat mich sehr eingeschränkt. Die größte Herausforderung sind die fehlenden Sparringspartner, die durch das Verbot des Reisens einfach fehlen. Auch ich muss mir überlegen, wohin ich reise, welche Quarantänebestimmungen es dort gibt, ob es sich lohnt und dabei vergeht einfach zum Teil viel ungenutzte Trainingszeit. International ist es extrem schwierig momentan. Die Olympiaqualifizierung steht bei mir noch aus und das schaffe ich nur, wenn ich mit den Besten auf der Matte trainiere.

Du bist in den Turniervorbereitungen in Ungarn, nimmst du am Grand Prix in Zagreb teil? Was steht danach noch an?
Baldauf: Ja das stimmt, momentan läuft in Ungarn meine Wettkampfvorbereitung auf vollen Touren für dieses Turnier. Danach steht ein einwöchiger Lehrgang in Kroatien an, im Anschluss ab nach Hause (incl. Quarantäne) und dann nach Ungarn. Mein Ziel ist es beim anschließenden Qualifikationsturnier ab 18.03. in Budapest (HUN) meine Qualifikation für Olympia zu holen.

Du bist sehr erfolgreich im Ringen, um so erfolgreich zu sein, was muss ein hart trainierender Nachwuchsringer machen, dass er so gut wird wie du?
Baldauf: Du musst schon in jungen Jahren Gas geben, trainieren so oft es geht, sich auf seine Ziele fokussieren und trotzdem bei Allem noch Spaß haben. Das ist wichtig und bringt jeden Sportler, nicht nur uns Ringer voran.

Fotos: Günter Schmid

links Sedat Sevsay, Felix Baldauf

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