Karl Dodrimont ein Achziger

Zuletzt aktualisiert am 2. Mai 2019 um 5:13

Dienstags zwei Stunden Fußball in der Halle, Montag, Donnerstag und Samstag eineinhalb Stunden Krafttraining im Fitnessraum – das ist ein ordentliches Pensum um sich fit zu halten und würde so manchen Mittdreißiger bis –fünfziger aus der Puste bringen. Nicht jedoch Karl Dodrimont, der dieses Programm in den Räumlichkeiten der Baienfurter Schulturnhalle seit vielen Jahren konsequent durchzieht. Besonders macht diese Leistung allerdings sein Jahrgang: die Baienfurter Ringer-Ikone schlechthin feierte am Montag vergangener Woche seinen 80. Geburtstag.

Der Name Karl Dodrimont wird in Baienfurt fast ausschließlich mit dem Ringen in Verbindung gebracht. Und nicht wenige können sich noch sehr gut erinnern: 1964 war das Jahr, in dem „der Karle“ die Achgemeinde namentlich auf die heimischen Fernsehbildschirme bzw. in das Radioprogramm brachte. Sein Start bei den Olympischen Spielen in Tokio (Japan) war ein Meilenstein in der Baienfurter Ringer-Historie. Dass er dabei nur mäßig abschnitt und nach zwei Niederlagen (u. a. gegen den Lokalmatador und späteren Goldmedaillen-Gewinner Yojiro Uetake) lediglich Platz 15 belegte – geschenkt. Die Baienfurter hatten ihren Sporthelden, zumal er im gleichen Jahr wie auch schon 1963 deutscher Meister in beiden Stilarten geworden war. Sowohl 1965 und 1966 folgten noch jeweils ein nationaler Meistertitel sowie ein zweiter Platz. Sein größter Konkurrent in dieser Zeit war der Stuttgarter Fritz Stange.

Bezogen auf das Ergebnis bezeichnet der vitale 80er die Freistil-Welt-meisterschaften 1965 in Manchester (Großbritannien) als sein internationales sportliches Highlight. Nach drei Siegen und drei Niederlagen erkämpfte der Baienfurter die Bronzemedaille im Bantamgewicht (57 kg), was damals sogar der Bild-Zeitung eine Schlagzeile wert war. Als einziger Westeuropäer hatte Dodrimont die Dominanz der osteuropäischen und asiatischen Ringer im Medaillenbereich gebrochen. 1966 belegte Dodrimont noch jeweils einen sechsten Platz bei den Europameisterschaften (in Karlsruhe) als auch Weltmeisterschaften (Toledo/USA). Zahlreiche Einsätze mit der Nationalmannschaft brachten ihn außerdem nach Bulgarien, Schweden und Südafrika. Seine internationale Laufbahn beendete er nach der gescheiterten Qualifikation zu den Olympischen Spielen 1968 (Mexiko). Auf nationaler Ebene hatte er zuvor noch die Silbermedaille gewonnen. Sechs Meistertitel, drei Mal Silber und drei Bronzemedaillen sind bis heute eine beeindruckende Bilanz in der deutschen Ringerszene.

Natürlich war Dodrimont auch festes Mitglied der Baienfurter Ringer-Staffeln und trug wesentlich zu den Mannschaftserfolgen bei. Seinen letzten Einsatz als aktiver Sportler bestritt der damals 34jährige in der Saison 1973 beim Regionalliga-Kampf gegen den SC Anger (22 : 19 Erfolg der KG) mit einer knappen 1 : 2 Niederlage gegen den amtierenden deutschen Meister Hans Ettfelder.

Als sein größtes Erlebnis am Rand der sportlichen Aktivitäten bezeichnet der Ringer-Veteran jedoch die Olympischen Spiele 1964 in Tokio, wo er sich sechs Wochen aufhielt und nach der Rückkehr seinen in dieser Zeit geborenen Sohn Frank kennenlernte. Der ältere Sohn Uwe war damals zwei Jahre alt. Dass die Familie zurückstecken musste, war die Kehrseite der sportlichen Erfolge. „Irgendwann habe ich dann täglich trainiert, um vorwärts zu kommen. Von nix kommt nix“, kommentiert Dodrimont den Aufwand, mit dem er sich lange an der Spitze halten konnte. „Immerhin durfte ich durch den Sport die halbe Welt bereisen, das war schon toll“, blickt Karl Dodrimont zurück.

Der unstete Rhythmus hat nach Ende der sportlichen Laufbahn zwar sein Ende gefunden und die Familie steht seither im Vordergrund, doch aktiv ist Dodrimont bis heute geblieben. So verpasst er so gut wie keinen Heimkampf der KG-Mannschaften. Bis auf gelegentliche Besuche in Italien, wo seine Tochter Elke einige Jahre lebte, beschränkt sich sein Radius zwischenzeitlich äußerst heimatverbunden auf regelmäßige Radtouren zum Bodensee zusammen mit seiner Frau Hildegard. Wichtig ist ihm natürlich der Sport geblieben, dem er auch am Abend des Interviews frönt. „Jetzt muss ich mich aber aufwärmen, in einer viertel Stunde kommen die Kicker-Kameraden“, verabschiedet sich der Karle und trabt federnden Schrittes in die Turnhalle.

Bericht von Henry Stärk

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