Jello Krahmer (21) vom ASV Schorndorf, Schwergewichtler, belegte im polnischen Bydgoszcz (POL) den dritten Platz bei der U-23-Weltmeisterschaft im griechisch-römischen Stil.
Der Württembergische Ringerverband ehrte Krahmer mit der WRV Ehrenplakette in Silber.
<Siegerliste>

 Krahmer Facebook Ehrung Jello Krahmer beim ASV Schorndorf WRV Ehrung von Jello Krahmer durch Günter Prexl (WRV Präsident Verwaltung) 23844414_1782336938446180_1529643471099780827_n
Zum Interview->
Frage: Wie viel Kämpfe hattest du bei der U23?
Jello: Ich hatte 4 Kämpfe, meinen ersten Kampf bestritt ich gegen Tamas Soos (Slowakei) mit 5:1 gewonnen, im Viertelfinale mit 2:0 gewonnen gegen den Esten Artur Vititin, im Halbfinale leider gegen den Russen Sergey Semenov (Russland) verloren und im Kampf um Bronze den Japaner Arata Sonoda mit 3:1-bezwungen.Die Kämpfe strengten mich sehr an, forderten alles von mir, ich war danach fix und alle. Aber die Belohnung dritter Platz ließen die Anstrengung schnell vergessen und es war ein wunderschönes Gefühl mit der Bronze Medaille von der WM nach Schorndorf zurückzukehren.Ich habe einige Tage danach noch gebraucht, um den Sieg für mich zu realisieren.

Bei so einem hochklassigen Turnier, kommt da Kampfnervosität vorher auf oder wie bereitest du dich oder wirst du darauf von deinen Betreuern vorbereitet? Wenn man dich kennt wirkst du immer sehr gefasst und strahlst eine innere Ruhe nach Außen aus.
Jello: Es kommt auf jedenfall Nervosität auf, nichts im Leben fordert mich so mental heraus wie das Ringen, das Ringen ist das Einzige, was mich wirklich aus meiner Ruhe bringen kann und ich eine gewisse Anspannung vor Kämpfen verspüren lässt. Die Nervosität vor der WM war schon sehr stark, bei den Mannschaftkämpfe davor und bei den Vorbereitungsturnieren steigerte sich stetig meine Anspannung. Zu Beginn der WM war ich am aufgeregtesten, aber schon nach dem ersten Kampf verflog diese Anspannung. Ich würde es auch nicht unbedingt als Nervosität bezeichnen, eher eine enorme Fokussierung und punktuelle Konzentration auf dieses Wettkampfereignis. Der erste Kampf war entscheidend, danach machte ich mein Ding, war Klar im Kopf und versuchte die Vorgaben der Trainer in den weiteren Kämpfen umzusetzen.

Wer hat dich bei der WM Vor-Ort betreut?
Jello: Michael Carl (Bundestrainer Greco), Volker Hirt (Landestrainer WRV) und meine Eltern waren live mit dabei.

Wie wurdest du vor der WM auf eventuelle Gegner vorbereitet?
Jello: Als erstes versuche ich mich immer auf meine eigenen Stärken zu besinnen, vor allem bei so einem Turnier, wo jeder Kampf das Ausscheiden bedeuten kann. Ich fokussiere mich sehr stark auf den Kampf der direkt vor mir liegt. Ich kenne meine Stärken und konzentriere mich nicht so sehr auf meinen Gegner, um ihn mental dadurch nicht stärker zu machen als er in Wirklichkeit ist, sondern mache mein Ding. Meine Trainer werten schon Kämpfe von Gegner aus (meist vom gleichen Turnier, wie ist der Gegner drauf) und geben mir Tipps und Anweisungen, allerdings stellen sich Gegner natürlich auch auf mich ein. Viel wichtiger ist, die Ruhe und Gelassenheit der Trainer wenige Tage vor den Kämpfen, um uns Ringer nicht zusätzlich durch äußere Einflüsse zu stressen und uns auch einen gewissen Spaß an den Turnieren zu zugestehen.Ich glaube das ist die Beste direkte Wettkampfvorbereitung, man hat Freude am Ringen und keinen zusätzlichen Druck dadurch.

Wenn du auf der Matte ringst, hast du da einen Tunnelblick, nimmst du die Trainer am Mattenrand noch aktiv war?
Jello: Die Trainer nimmt man absolut war, ich konzentriere mich auf die vertraute Trainerstimme. Als ich angefangen habe zu ringen, war dies nicht so der Fall. Je routinierter ich wurde, desto mehr nehme ich das Gesamtgeschehen um den Kampf war und dazu gehören auch die Traineranweisungen. Allerdings Rufe aus dem Publikum werden eher nicht wahrgenommen.

Hast du auch Freistil gerungen und wann bist du in die hohe Gewichtsklasse reingerutscht?
Jello: In meiner Jugendzeit habe ich auch Freistil gerungen, jedoch relativ schnell fühlte ich mich in der Stilart Greco zu Hause.Ich war schon immer relativ Groß gegenüber meinen anderen Ringerkonkurrenten. Wer mich aus jüngeren Jahren kennt, da war ich eher schmächtig aber Groß. Die körperliche Entwicklung zeigte mir, dass ich in den höheren Gewichtsklassen zu Hause bin und hier meinen Muskelanteil stetig steigern konnte.

Woher nimmst du die gesunde Aggressivität Wettkämpfe erfolgreich bestreiten zu können, da du sonst eher eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlst?
Jello: Ringen macht mir Spaß. Ich habe einen Siegeswillen, ich will die Nummer Eins sein.Turniere sind schon sehr belastend, der zeitliche Aufwand, das Warten aber das Gefühl des Sieges, wenn die erbrachte Leistung stimmt, das ist ein unbeschreibliches Erfolgsgefühl welches die Strapazen davor schnell vergessen lässt.

Du bist im DRB-Kader, wie geht es mit dir weiter?
Jello: Seit 2015 bin ich im DRB Kader. Ich denke von Ziel zu Ziel. Nächstes Jahr kann ich nochmals bei den U23 starten. Ziel ist natürlich wieder die Teilnahme an der WM. Dort möchte ich an meine erbrachten Leistungen anknüpfen aber auch nochmal eine Stufe daraufsetzen, bedeutet mehr als Bronze holen.Natürlich ist das langfristige Ziel, mich bei den Senioren erfolgreich zu etablieren und die absolute Krönung wäre schon die Teilnahme bzw. erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen. Ich trainiere fleißig darauf hin.

Wie unterstützte dich dein Heimatverein der ASV Schorndorf in der Vorbereitung?
Jello: Sedat Sevsay (mein Stiefvater und „Rundum Sorglos“ Betreuer) hält mir den Rücken frei.
Bevor ich in den DRB Kader aufgenommen wurde, habe ich verschiedene Maßnahmen (Trainingslager, Turniere) über den Heimatverein besuchen können. Als ich in den DRB Kader kam, hat diese Betreuung der DRB weitestgehend übernommen. Allerdings unterstützt mich diesbezüglich auch der Württembergische Ringerverband sehr gut. Mein Terminplan durch DRB Maßnahmen ist sehr voll. Mein Trainer im Verein, Patrick Nuding, hat für mich ein sehr gutes Training gestaltet, obwohl es im Schwergewicht kaum passende Trainingspartner gibt. Ein bis zweimal pro Woche bin ich in der Vorbereitungszeit zusätzlich nach Schifferstadt zum Training gefahren.

Was ist dein nächstes Ziel?
Jello: Bei den kommenden U23 Meisterschaften zu gewinnen.

„Nach der WM ist vor der EM, es geht also weiter.“